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 Werner Otto

Werner Otto (* 13. August 1909 in Seelow, Brandenburg) ist einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer. Er war entscheidend am Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. Sein oberstes Prinzip war stets die geistige Unabhängigkeit. Er ist einer der Wirtschaftspioniere der Bundesrepublik. Otto ist zum dritten Mal verheiratet und hat insgesamt fünf Kinder.[1]

Seit 1960 befindet sich die Zentrale des Otto-Versands in Hamburg-Bramfeld

Inhaltsverzeichnis

Leben

Werner Otto wurde als Sohn des Einzelhändlers Wilhelm Otto und seiner Frau Frieda geboren. Seine Mutter starb bereits kurz nach seiner Geburt. Er besuchte die Schule in Schwedt, später das Gymnasium in Prenzlau (Uckermark). Er musste das Gymnasium vor dem Abschluss verlassen, da sein Vater nach dem Konkurs seines Geschäftes das Schulgeld nicht mehr aufbringen konnten.[2] Otto begann eine kaufmännische Lehre in Angermünde. Schließlich machte er sich als Einzelhandelskaufmann in Stettin selbstständig.

Wegen Verbreitung von Flugblättern für den NS-Ideologen und Hitler-Gegner Otto Strasser wurde Otto 1934 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, die er im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee verbüßte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung waren neben den Flugblättern auch zwei Manuskripte noch unveröffentlichter zeitkritischer Romane beschlagnahmt worden, die bis heute nicht wieder gefunden werden konnten.

Nach der Haftentlassung betrieb er zunächst einen Zigarrenladen in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes. 1939 siedelte er ins westpreußische Kulm (Weichsel) über, um der ständigen Beobachtung in Berlin zu entgehen. Dort eröffnete er ein Schuhgeschäft. 1941 wurde seine Tochter Ingvild geboren, zwei Jahre später kam Sohn Michael zur Welt. Da er politisch als „unzuverlässig“ galt, bekam Otto noch kurz vor Kriegsende „Frontbewährung“, seine erste Ehefrau Eva musste die Geschäfte alleine weiterführen. Das Kriegsende erlebte er mit einer schweren Kopfverletzung in einem Lazarett. Als mittelloser Flüchtling und Vater von zwei Kindern zog er nach dem Krieg nach Hamburg, wo er eine Schuhfabrik gründete. Nachdem die Fabrik nach kurzer Zeit Konkurs anmelden musste, eröffnete er einen Versandhandel für Schuhe.

Mit 6.000 Mark Startkapital und vier Mitarbeitern begann 1949 in Hamburg-Schnelsen die beispiellose Erfolgsgeschichte, aus der eine der größten Versandhandelsgruppen der Welt mit einem Umsatz von mehr als 15 Milliarden Euro und mehr als 55.000 Mitarbeitern in drei Kontinenten hervorgegangen ist: der Otto-Versand. Im Februar 1981 stieg Werner Ottos ältester Sohn Michael zum Vorsitzenden des Vorstands der Otto GmbH auf. Er war bis Oktober 2007 im Amt und ist derzeit Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Gruppe.

1965 gründete Werner Otto die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, der er ein völlig neues Konzept zur Grunde legte. Er gestaltet sie wirtschaftlich und personell völlig unabhängig von der Firma Otto. Heute ist die ECE einer der bedeutendsten Entwickler, Realisierer, Vermieter und Betreiber von gewerblichen Großimmobilien in Europa. 2001 übergab Otto die ECE Projektmanagement an seinen 1967 geborenen Sohn Alexander.

Bereits Anfang der 1960er Jahre wagte Werner Otto die Expansion nach Amerika. Im kanadischen Toronto begann er, die Sagitta Group aufzubauen. Diese Immobiliengruppe managt heute rund 7.000 Wohnungen sowie ca. 140.000 m² Gewerbeflächen. Außerdem erschließt sie Industrieparks. Die Sagitta Group zählt damit zu den größten Unternehmen dieser Art in Kanada.

Im Alter von über 60 Jahren begann Werner Otto ab 1973 mit dem Aufbau einer US-amerikanischen Immobiliengruppe, der Paramount Group in New York.

Gesellschaftliches Engagement

Seinen unternehmerischen Handlungsspielraum und seine Gestaltungsmöglichkeiten empfand Werner Otto stets auch als soziale Verpflichtung und gesellschaftspolitische Aufgabe.

Um gezielt und wirkungsvoll helfen und menschliche Not lindern zu können, gründete er 1969 die „Werner Otto Stiftung“.

Eines der Projekte der Stiftung ist das wissenschaftliche Behandlungszentrum für Krebskrankheiten im Kindesalter an der Universitätskinderklinik in Hamburg-Eppendorf. 1974 gründet er das „Werner Otto Institut“ – eine Spezialeinrichtung, die sich der Früherkennung und Behandlung entwicklungsgestörter oder behinderter Kinder und Jugendlicher widmet. 1996 stiftet Otto das „Werner Otto Stipendium zur Förderung des medizinisch-wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Hamburg“. Für hervorragende wissenschaftliche Leistungen wird außerdem alle zwei Jahre der Preis der Werner Otto Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung an in Hamburg tätige Forscher und Ärzte verliehen.

1997 wurde in Werner Ottos Geburtsort Seelow das Richtfest für den im Krieg zerstörten Kirchturm gefeiert. Er hatte das Geld für den Wiederaufbau gestiftet.

In Berlin-Neukölln wird das Werner-Otto-Haus eröffnet, in dem ehemals hörbehinderte Kinder und Jugendliche mit Hilfe eines Cochlea-Implantats wieder Hören lernen. Im Jahr 2001 wird der Erweiterungsbau des Werner-Otto-Instituts eröffnet, für den Werner Otto mehr als vier Millionen Mark gestiftet hat. Auf dem Potsdamer Pfingstberg wird 2003 die Wiedereröffnung des Belvedere durch Bundespräsident Johannes Rau gefeiert. Werner Otto hat für die Instandsetzung 6,5 Millionen Euro gestiftet. Im selben Jahr wird der Werner-Otto-Saal im Konzerthaus Berlin eröffnet, für dessen Instandsetzung Werner Otto 4,5 Millionen Euro gestiftet hatte. 2006 wird der von Werner Otto mit einer Spende von fünf Millionen Euro unterstützte Umbau des Hamburger Jungfernstiegs abgeschlossen. Der amerikanischen Harvard University stiftet Otto einen Museumsneubau für die Unterbringung der Kunst deutschsprachiger Expressionisten, die „Werner Otto Hall“.

Auszeichnungen und Ehrungen

Für sein unternehmerisches und soziales Engagement erhielt Werner Otto diverse Auszeichnungen und Orden, u.a. das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die Ehrendenkmünze in Gold des Hamburger Senats und den Ehrentitel Professor der Freien und Hansestadt Hamburg, die Ernst-Reuter-Plakette des Berliner Senats sowie den Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung für „Soziale Marktwirtschaft“ für sein unternehmerisches Handeln. Werner Otto ist Ehrendoktor und Ehrensenator der Universität Hamburg sowie Laureat der „Hall of Fame“ im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg zeichnete ihn 2005 mit der Bürgermeister-Stolten-Medaille aus. Am 11. August 2009 wurde ihm die Berliner Ehrenbürgerwürde verliehen.[3]

Einzelnachweise

  1. Die Welt: Der König des Versandhauses wird 100 Jahre alt (abgerufen am 11. August 2009)
  2. Vom Tabakhändler zum Versandhauskönig in: Kölner Stadt-Anzeiger, 10. August 2009, S.9
  3. Berliner Zeitung: 100 Jahre, mehr als 100 Gäste, 12. August 2009

Literatur von und über Werner Otto im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Informationen zum 100. Geburtstag Werner Ottos
  • Homepage Werner-Otto-Stiftung
  • Webseiten zum Jungfernstieg-Umbau
  • Webpräsenz der Otto-Gruppe
  • Webpräsenz der ECE
  • © Diese Definition / dieser Artikel zu Werner_Otto stammt von Wikipedia und ist lizensiert unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu Werner_Otto , die Versionsgeschichte und die Liste der Autoren einsehen. © Diese Definition / dieser Artikel zu stammt von Wikipedia und ist lizensiert unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu , die Versionsgeschichte und die Liste der Autoren einsehen.